Wilde Mändle 2020

Ursprung und Brauchtum

Wilde Mändle sind keine Sagengestalten. Es hat sie wirklich gegeben und sie waren als Allgäuer Urbevölkerung weit verbreitet.

Allein hier in Oberstdorf ist der Wilde Mändle Tanz in seiner Urform erhalten geblieben und wird alle 5 Jahre aufgeführt. Zurückgehend auf eine lange Geschichte wird in der Vita des Abtes Columban bereits 615 n. Chr. eine Opferfeier erwähnt, in der die wilden Männer zu einem Umtrunk vereint waren.

Aufbau des Tanzes

In sprunghafter Weise bewegen sich die Männer während der gesamten Aufführung vor- und rückwärts. Beide Beine schnellen dabei in leichter Schrittstellung gleichzeitig vom Boden ab und kommen wieder auf. Symbolisiert wird dadurch wie die wilden Männer durch die Natur, über Wurzelwerk oder über Stock und Stein sprangen – im Rhythmus mit den Naturelementen.

Die Choreographie des Tanzes erstreckt sich über 17 Tanzszenen und ist in 2 Teile unterteilt. Der erste Teil umfasst Figuren, die eher in lockerer Verbindung stehen, wobei der 2. Teil in einem inneren Zusammenhang steht und als Höhepunkt im letzten Bild endet. Gerade in der Einleitungsszene wird auf originelle Weise gezeigt, wie die scheuen wilden Männer sich zuerst nur mit einer Hand, einem Fuß und dem Kopf aus den Naturkulissen hervorwagen, um dann erst einmal wieder zu verschwinden.

Der gesamte Tanz verlangt von den Tänzern absolute Konzentration und vor allem ein Höchstmaß an Kraft, Ausdauer und Übung. Für die Aufführung des Tanzes bedarf es daher eines langen Trainings.

Der Tanz, mit seinen wilden ursprünglichen Bewegungen, zeigt die Verbindung mit den geheimnisvollen Kräften der Natur, der Sternenwelt, der Sonne und den Göttern. Dabei wird gezeigt wie diese dem Menschen gewogen gemacht werden. Beim Wilde Mändle Tanz mitzumachen ist ein Privileg und diese Ehre ist schon immer alteingesessenen Oberstdorfer Geschlechtern vorbehalten.

Gewand der Tänzer

Geheimnisvoll anmutend ist auch die Kleidung der Wilden Mändle. Ausgenommen der Hände und des Gesichts sind sie komplett in Tannenbart eingekleidet. Der Tannenbart ist eine Moosflechte, die in Höhenlagen über 1500 Meter im Bergwald zu finden ist. Aufwendig werden die Gewänder von den Frauen zusammengenäht und gepflegt. Um die Hüfte tragen die Tänzer einen Gürtel aus frischem Tannenreisig und auf dem Kopf einen Kranz aus Blättern des Stechholders.

Auch hier zeigt sich die Verbindung zur Natur und das Wissen um die Pflanzenheilkunde sowie Haus- und Naturheilmittel mit ihren ganz eigenen Wirkungen auf den Menschen.

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